Einer der in der Industrie am häufigsten verwechselten Begriffe ist der Kettenzug. In manchem Betrieb heißt jede unter der Decke hängende Hebeeinheit Kettenzug, in mancher Angebotsliste steht dasselbe Produkt als „Kettenzug mit Elektroantrieb“. Dabei ist der richtige Begriff der erste Schritt zum richtigen Produkt: Eine Einheit mit falscher Tragfähigkeit oder falscher Triebwerksgruppe verursacht binnen weniger Jahre weit höhere Wartungskosten als erwartet.
In diesem Beitrag erklären wir, was ein Elektrokettenzug ist, wie er arbeitet, in welchen Bauarten er gefertigt wird, worauf bei der Auswahl zu achten ist und welche Posten seinen Preis bestimmen — alles mit Beispielen aus der Praxis.
1. Was ist ein Elektrokettenzug?
Ein Elektrokettenzug ist ein industrielles Hebezeug mit Elektromotor, das die Last nicht über ein Drahtseil, sondern über eine kalibrierte Lastkette hebt. In der Fachsprache heißt er Elektrokettenzug; „Kettenzug“ ist die im Alltag eingebürgerte Kurzform. Beide bezeichnen dasselbe Produkt.
Dank seines kompakten Gehäuses lässt er sich allein an einem Haken einsetzen, aber auch auf einem Schwenkkran, einer Einschienenbahn, einem Leichtkransystem oder einem Laufkran montieren. Der Kettenzug ist also meist nicht das gesamte Hebesystem, sondern das Hebeorgan.
Wo wird er eingesetzt? Montagelinien der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer, Hausgerätefertigung, Maschinenbau und Stahlbauwerkstätten, Instandhaltungs- und Servicebetriebe, Lager- und Versandbereiche, Lebensmittel- und Arzneimittelwerke, Bühnen- und Veranstaltungsaufbauten … Gemeinsam ist ihnen: wiederkehrender Hebebedarf an einer festen Stelle und die Notwendigkeit, die Last genau zu positionieren.
2. Wie arbeitet ein Elektrokettenzug?
Das Arbeitsprinzip beruht auf vier Hauptbauteilen:
- Motor und Getriebe: Sie erzeugen die Hubbewegung. Im Schichtbetrieb bestimmen die Wärmeabfuhr des Motors und die Einschaltdauer unmittelbar die Lebensdauer.
- Bremse: Sie ist das Sicherheitsglied, das die Last beim Ausfall der Energie hält. Die elektromagnetische Bremse fällt im Augenblick der Stromunterbrechung ein.
- Lastkette und Kettenführung: Die Kette besteht aus kalibriertem, wärmebehandeltem Sonderstahl; die Kettenführung sorgt dafür, dass die Kette im richtigen Winkel in das Kettenrad einläuft.
- Überlastsicherung: Bei hochwertigen Einheiten sitzt sie zwischen Motor und Bremse. Wird die Tragfähigkeit überschritten, rutscht die Kupplung durch und das System hebt die Last nicht. In der Baureihe STAR LIFTKET ist diese Sicherung patentiert.
Auf der Steuerseite bilden ein Hängetaster mit 24 V Steuerspannung, der Not-Halt sowie mechanische obere und untere Endschalter die serienmäßige Sicherheitsausstattung. Auf langen Strecken und dort, wo die Bedienperson Abstand zur Last halten muss, wird eine Funkfernsteuerung gewählt.
Auch die Hubgeschwindigkeit wirkt unmittelbar auf die Leistung. Einheiten mit einer Geschwindigkeit genügen für einfaches Be- und Entladen; Ausführungen mit zwei Geschwindigkeiten und mit Frequenzumrichter erlauben millimetergenaues Positionieren und verringern das Pendeln durch sanftes Anfahren und Anhalten. In Montagelinien und beim genauen Einsetzen von Teilen schlägt sich dieser Unterschied unmittelbar in der Taktzeit nieder.
3. Bauarten des Kettenzugs
Handkettenzug
Er arbeitet über eine von Hand gezogene Kette und braucht keine Energie. Er ist dort sinnvoll, wo selten und in geringem Takt gehoben wird und kein Strom zur Verfügung steht. In einer Linie mit ständigem Hebebedarf ist er wegen der Ermüdung der Bedienperson und des Zeitverlusts nicht geeignet.
Elektrokettenzug
Er ist der Standard in Fertigung, Montage, Instandhaltung und Lagerung. Verbreitet sind Ausführungen für Drehstrom (380 V); in Werkstätten mit begrenzter Netzleistung werden einphasige Elektrokettenzüge eingesetzt. Für besondere Anforderungen stehen drei Bauarten im Vordergrund:
- Ausführungen für niedrige Bauhöhe erreichen bei beschränkter Bauhöhe die größtmögliche Hakenhöhe.
- Zweistrang-Einheiten werden eingesetzt, um lange oder großformatige Teile an zwei Punkten synchron zu heben.
- Einheiten in Lebensmittelausführung (Foodline) mit Lastkette aus Edelstahl AISI 316 und Schmierstoff der Lebensmittelklasse NSF-H1 eignen sich für Umgebungen, die gereinigt werden.
Kettenzug oder Seilzug?
Einheiten mit Kette stehen im Bereich von 125 kg bis 25 t mit ihrem kompakten Gehäuse und dem geringen Totmaß beim stationären Heben im Vordergrund. Seilzüge eignen sich dagegen für Laufkrananwendungen, die weit höhere Tragfähigkeiten und große Hubhöhen verlangen. Hinsichtlich einfacher Wartung und Erstinvestition sind Kettenlösungen meist wirtschaftlicher.
4. Wie wählt man einen Elektrokettenzug?
Sechs Kriterien bestimmen die Auswahl. Sie vor der Angebotsanfrage zu klären, macht den Preisvergleich belastbar und verhindert einen Fehlkauf.
| Kriterium | Warum wichtig? | Wie wird es bestimmt? |
|---|---|---|
| Tragfähigkeit | Wirkt unmittelbar auf Lebensdauer und Sicherheit der Einheit. | Schwerste Last + Gewicht der Lastaufnahme (Anschlagmittel, Traverse, Haken) addieren; eine Reserve hinzurechnen. |
| Hubhöhe | Bestimmt Kettenlänge und Größe des Kettenspeichers. | Der Abstand zwischen oberster und unterster Hakenstellung wird gemessen. |
| Triebwerksgruppe (FEM/ISO) | Legt nach Hubspielen pro Tag und mittlerem Lastanteil die Lebensdauer von Motor und Bremse fest. | Hubspiele je Schicht und mittlerer Lastanteil in Prozent werden gerechnet. |
| Versorgung und Steuerung | Netzverträglichkeit und Sicherheit der Bedienperson. | Wahl zwischen 380 V Drehstrom und Einphasenbetrieb; Hängetaster mit 24 V oder Funksteuerung. |
| Aufhängung | Bestimmt, ob die Einheit ortsfest oder auf einer Strecke beweglich arbeitet. | Feste Öse, Hakenaufhängung oder Hand- bzw. Elektrofahrwerk. |
| Umgebungsbedingungen | Verändern Schutzart und Werkstoffwahl. | Staub, Feuchtigkeit, Reinigung, Salzluft, Temperatur, explosionsgefährdete Bereiche. |
Unter diesen Kriterien wird die Triebwerksgruppe am häufigsten übergangen. Eine Einheit mit richtiger Tragfähigkeit, aber zu niedriger Triebwerksgruppe sieht auf dem Papier passend aus; in der Praxis verschleißen Bremsbelag und Kette vorzeitig. Lesen Sie dazu auch unseren ausführlicheren Leitfaden zur Auswahl des Elektrokettenzugs.
5. Was den Preis eines Elektrokettenzugs bestimmt
Auf die Frage „Was kostet ein Kettenzug?“ gibt es keine einzelne Antwort; denn der Preis hängt weniger am Produkt selbst als an seiner Ausführung. Achten Sie beim Vergleich der Angebote auf diese Posten:
- Tragfähigkeit und Hubhöhe: der wichtigste Preisfaktor. Zwischen 3 m und 12 m Hubhöhe liegt bei gleicher Tragfähigkeit ein erheblicher Unterschied.
- Triebwerksgruppe: Verstärkte Motoren und Bremsen für eine hohe Einschaltdauer erhöhen die Kosten; dafür verlängern sie die Wartungsabstände.
- Geschwindigkeitsstufen: Eine Geschwindigkeit ist die wirtschaftlichste Lösung; zwei Geschwindigkeiten und Frequenzregelung erlauben genaues Positionieren und erhöhen die Kosten.
- Aufhängung und Fahrwerk: Ob feste Aufhängung, Handfahrwerk oder Elektrofahrwerk genutzt wird, verändert den Preis.
- Art der Steuerung: Der Hängetaster gehört zum Serienumfang, die Funksteuerung ist ein zusätzlicher Posten.
- Sonderwerkstoffe und Schutzart: Edelstahlkette, Schmierstoff der Lebensmittelklasse, hohe Schutzart oder Sonderlackierung wirken auf die Kosten.
- Nachweise und Service: CE-Erklärung, Lastprüfbericht, Verfügbarkeit von Ersatzteilen und das Servicenetz nach dem Kauf sind der unsichtbare, aber entscheidendste Posten des Preises.
Das günstigste Angebot bedeutet meist nicht die niedrigsten Gesamtkosten. Eine Einheit, deren Ersatzteil erst nach sechs Wochen eintrifft, holt den Unterschied bei der ersten Störung über die Stillstandskosten wieder ein. Deshalb ist der Preis nicht allein im Augenblick des Kaufs zu bewerten, sondern über die Nutzungskosten von fünf Jahren.
6. Montage, Wartung und gesetzliche Pflichten
Ein Elektrokettenzug ist nur so sicher wie die tragende Struktur, an der er hängt. Vor der Montage ist nachzuweisen, dass Träger, Schwenkarm oder Einschienenbahn die berechnete Last aufnehmen. Bei der Inbetriebnahme werden eine Lastprobe durchgeführt, die Endschalter eingestellt und der Bremsweg gemessen.
Im Betrieb bilden das Schmieren der Kette, die Prüfung der Hakenmaulöffnung sowie die Messung von Bremsbelag- und Kettenverschleiß die Grundlage der regelmäßigen Wartung. In Deutschland verlangt § 14 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV), Arbeitsmittel wiederkehrend prüfen zu lassen; für Hebezeuge sieht das DGUV-Regelwerk (DGUV Vorschrift 54, DGUV Regel 100-500) in der Regel eine mindestens jährliche Prüfung durch eine zur Prüfung befähigte Person vor. Diese Prüfung ist nicht nur eine gesetzliche Pflicht, sondern die praktischste Maßnahme, um das Unfallrisiko zu senken.
7. Die fünf häufigsten Fehler in der Praxis
- Die Lastaufnahme nicht mitrechnen: Anschlagmittel, Traverse und Haken gehören zur Tragfähigkeit.
- Die Triebwerksgruppe übergehen: Eine Einheit niedriger Gruppe in einer stark genutzten Linie bedeutet vorzeitigen Ausfall.
- Montage ohne Prüfung der Struktur: Eine Montage ohne Nachweis der Momentenaufnahme des Trägers ist riskant.
- Die Kettenwartung aufschieben: Eine ungeschmierte Kette verschleißt und beschädigt zugleich das Kettenrad.
- Die wiederkehrende Prüfung auslassen: Das begründet bei Kontrollen und im Schadensfall eine Haftung.
Häufig gestellte Fragen
Sind Kettenzug und Elektrokettenzug dasselbe?
Ja. Das in der Praxis meist Kettenzug genannte Produkt heißt fachlich Elektrokettenzug. Er hebt die Last über eine Kette und lässt sich mit seinem kompakten Gehäuse auf einem Schwenkkran, einer Einschienenbahn oder einem Laufkran montieren.
Bis zu wie viel Tonnen wird ein Elektrokettenzug gefertigt?
In der Familie der LIFTKET Elektrokettenzüge reicht der serienmäßige Bereich von 125 kg bis 6.300 kg; für besondere Anwendungen sind Lösungen bis 25 t möglich. Bei der Wahl der Tragfähigkeit wird neben der Last auch das Gewicht der Lastaufnahme mitgerechnet.
Gibt es einphasige Elektrokettenzüge?
Ja. Ausführungen für 110 bis 240 V werden für Werkstätten ohne Drehstromanschluss, für Bühnenanwendungen und für Servicestellen gefertigt.
Ist die wiederkehrende Prüfung des Kettenzugs vorgeschrieben?
Ja. Nach § 14 BetrSichV sind Arbeitsmittel wiederkehrend zu prüfen; für Hebezeuge gilt nach DGUV-Regelwerk in der Regel eine mindestens jährliche Prüfung durch eine befähigte Person. Der Prüfnachweis wird bei Kontrollen der Arbeitssicherheit verlangt.
Wonach richtet sich der Preis eines Kettenzugs?
Tragfähigkeit, Hubhöhe, Triebwerksgruppe, Geschwindigkeitsstufe, Aufhängung, Wahl der Steuerung sowie Sonderwerkstoffe und Schutzart sind die wichtigsten preisbestimmenden Posten. Auch Nachweise und der Service nach dem Kauf gehören zu den Gesamtkosten.
Bestimmen wir gemeinsam den zu Ihrer Anwendung passenden Elektrokettenzug. Teilen Sie uns die zu hebende Last, die Hubhöhe und Ihren Arbeitstakt mit; das Engineering-Team der BM Makina Grup erstellt einen Lösungsvorschlag mit der richtigen Tragfähigkeit, der richtigen Triebwerksgruppe und der passenden Aufhängung. Füllen Sie das Anfrageformular aus oder erreichen Sie uns unmittelbar unter +90 (262) 751 02 08.





